Glaube, Sitte, Heimat

Heute aktueller denn je?

von Gerhard Schlüter

In unserer schnelllebigen Zeit scheint das Dauerprogramm der Historischen Schützen: "Glaube, Sitte, Heimat" an Bedeutung und Aktualität eingebüßt zu haben. Moderne Zeitgenossen sehen es als Herausforderung an, den "Trends" des Fortschrittlichen hinterher zu hecheln. Sicher, wir haben Jahre und Jahrzehnte enormer gesellschaftlicher Umwälzungen hinter uns. Wir haben viele Veränderungen erfahren. Pflicht- und Akzeptanzwerte haben für viele dieser "Fortschrittskräfte" ausgedient. An deren Stelle sind die sogenannten "Selbstentfaltungswerte" getreten. Die Freiheit des Einzelnen steht nun absolut im Vordergrund. Und so geht es für viele vordergründig darum, "akzeptiert zu werden, so, wie man ist" und nicht "Toleranz zu praktizieren".

Aber: Die Ideale "Glaube, Sitte, Heimat" haben Jahrzehnte und Jahrhunderte überdauert. Sie haben den Menschen, den Schützen, immer wieder Halt und Orientierung gegeben. Die Schützengesellschaften und die Schützenbruderschaften zeichneten sich stets dadurch aus, dass sie sich den Herausforderungen ihrer Zeit stellten. Und so wurden unsere Ideale "Glaube, Sitte und Heimat" auch immer wieder mit Inhalten gefüllt, die durch die Ereignisse der jeweiligen Epoche entstanden. Aufgaben und Ziele, Sinn und Zweck der Gemeinschaft, dies wurde praktisch gelebt durch den Dienst am Nächsten, den Dienst für die Kirche, das vielfältige Eintreten für die Gemeinschaft im Sinne eines funktionierenden Miteinanders und Füreinanders.

Doch wie ist es heute - zu Beginn des 3. Jahrtausends - um diese Ideale "Glaube, Sitte, Heimat" bestellt? Ich finde, diese Werte sind aktueller denn je. Denn wir haben es mit vielen suchenden Menschen zu tun; und darunter sind gerade sehr viele junge - und sehr junge - Menschen. Glaube bedeutet auch aktuell: den Versuch einer Nachfolge des Lebensmodells eines Jesus Christus. Der für uns Beispiel gegeben hat für viele traditionelle Werte, die m,E. wieder an Bedeutung gewinnen werden. Darunter verstehe ich neben dem Bekenntnis zur Kir- che auch Werte wie Zuverlässigkeit, Vertrauen auf Gegenseitigkeit, Rückgrat, Toleranz, Verständnis und Bereitschaft zum Verstehen und Handeln. Es kommt auf die Verantwortlichen an, diese Werte beispielhaft zu leben und alle Schützenschwestern und -brüder anzuregen, eine Gemeinschaft zu pflegen, in der diese Werte gelebt werden.

Sitte ist keine überholte Moralvorstellung der "Ewig-Gestrigen". Vielmehr bedeutet Sitte das menschliche Miteinander: In der Familie, in der Nachbarschaft, in der Schule, im Beruf, im Verein. Sitte bedeutet nämlich Rücksichtnahme und Verständnis. Sitte, das ist überzeugtes Tun und Wirken in einer - und für eine - humane Gesellschaft.