Gehrdener Kreuztracht

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Die Gehrdener Kreuztracht ist in der Passionsfömmigkeit des Mittelalters verwurzelt und geht auf ein Erstärken des Glaubenslebens nach den Wirren der Reformation in Deutschland zurück. In der barocken Frömmigkeit, die ihren Ausdruck in der prachtvollen Innenausstattung auch unserer Kirche gefunden hat, ging ein als Jesus verkleideter Büßer begleitet von einem ebenfalls verkleidetet Simon von Cyrene und dem betendem Volk zu Kruzifixen, einen „Kalvarienberg“ oder einer Kapelle außerhalb des Ortes.

 

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Diese Stätten bezeichneten so genannte „Stillstände“ auf dem Weg, die sich erst später zu den uns bekannten 14 Kreuzwegstationen entwickelten. Aus dem Nachbarort Kleinenberg ist bekannt, dass es als „Stillstände“ vier Häuser gab. Diese wurde 1728/29 abgerissen und ein Stationsweg mit sieben Kniefällen errichtet. Noch Heute erinnern die sieben Kienfälle bei der Kreuztracht in Pömbsen an diese Epoche. Diese Epoche der sieben Kniefälle ist auch für Gehrden nachweisbar und mündete schließlich im 18. Jahrhundert in die uns bekannten 14 Stationen des Kreuzweges. Auf die Passionsfrömmingkeit in Gehrden können die seit 1142 bezeugte Benediktinerabtei und ein Schmerzenskruzifixus aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts hinweisen.

 

 

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Das Kruzifixus beherbergte in der Brust eine Partikel des Heiligen Kreuzes und wird bis auf den heutigen Tag zur Kreuzverehrung am Karfreitag den Gläubigen gezeigt. Anschließend wird die Kreuzpartikel, die sich heute in einem gesondertem Reliquiar befindet, von den Gläubigen verehrt. Zuvor wird jedoch in der Pfarrkirche die Leidensgeschichte nach Johannes gelesen, bevor sich die Kreuzträger mit dem ca. 40 kg schweren Holzkreuz auf den Weg machen und mit dem betenden Volk zur Katharinenkapelle ziehen. Alle sind eingeladen, am Todestag unseres Herrn Jesus Christus seinen Leidensweg nachzugehen und der Leiden des Menschengeschlechtes zu gedenken, die ER in unendlicher Solidarität auf sich genommen hat. Unsere eigenen Lebenswege und die Kreuze so vieler Menschen heute wollen wir mit dem Kreuzweg Jesu und seinem „Erlösungs-Tod“ verbinden: Im Kreuz ist Heil. „Im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffung, im Kreuz ist Auferstehung zu neuem Leben“, so beten jedes Jahr unzählige Gläubige in Gehrden und auf der ganzen Welt.

 

 

 

Karfreitag 1933

 

 

 

 

Kreuztracht 01

 

 

 

Kreuztracht 02

 

 

 

142 Kreuztracht 02

 

 

 

141 Kreuztracht 01

 

 

 

Gehrden/Pömbsen am Karfreitag, 18. April 2014
Kreuztrachten in Gehrden und Pömbsen
 
 
 
 
Foto: Sabine Robrecht
 
 

Am Karfreitag kommen Hunderte Gläubige zur Kreuztracht in Pömbsen.

Gehrden/Pömbsen (WB). Hunderte Gläubige haben am Karfreitag an den traditionellen Kreuztrachten im Kreis Höxter teilgenommen. Am Vormittag zog die Prozession in Brakel-Gehrden von der Klosterkirche auf den Katharinenberg, am Nachmittag zogen die Menschen betend und singend durch die Straßen in Bad Driburg-Pömbsen.

Die Kreuztrachten sind in der Passionsfömmigkeit des Mittelalters verwurzelt und gehen auf ein Erstärken des Glaubenslebens nach den Wirren der Reformation in Deutschland zurück. In der barocken Frömmigkeit, die ihren Ausdruck in der prachtvollen Innenausstattung auch unserer Kirche gefunden hat, ging - wie heute - ein als Jesus verkleideter Büßer begleitet von einem ebenfalls verkleidetet Simon von Cyrene zusammen mit den Gläubigen durch den Ort.

 

Artikel aus dem Brakeler Extra vom 25.04.2014

Kreuztracht